Blick auf die Langenberger Siedlung

Zwischen Wiesen und Wäldern und unterhalb des Emmlers liegt der Ortsteil Langenberg.

Dampflokomotive der EAB auf einer Eisenbahnbrücke im Ortsteil Raschau

Im Rahmen der Erzgebirgischen Aussichtsbahn fahren Dampfzüge und Triebwagen auf der Eisenbahnstrecke Schwarzenberg-Annaberg.

Das beliebteste Fotomotiv - das Eisenbahnviadukt im Ortsteil Markersbach

Das 1888 gebaute Eisenbahnviadukt (237 m lang, 37 m hoch) wird wegen seiner Bauweise auch "Streichholzbrücke" genannt.

Blick auf das Sportplatzgelände und die neue Autobrücke im Ortsteil Markersbach

Die moderne Autobrücke (320 m lang, 44 m hoch) überspannt seit 2011 das Tal.

Blick auf Raschau-Markersbach vom Emmler

Unser Ort liegt idyllisch eingebettet im Tal der Großen Mittweida - dem Tal der Brücken.

Ortsteil Raschau

Im Ort laden die Allerheiligen Kirche aus dem 16. Jahrhundert mit ihrer Steinmüller-Orgel und den schönen zweigeschossigen Emporen, historische Bauernhöfe im Fachwerkstil, das älteste aus dem Jahr 1688, und 2 gut erhaltene Brennöfen eines ehemaligen Kalkwerkes aus dem 19. Jahrhundert zur Besichtigung ein.

Wanderfreunde finden ein gut ausgeschildertes Wanderwegenetz vor. Raschau's besonderer Tipp ist das Naturschutzgebiet Almhof am Fuße des Hundsmartergebiet, dem Hausberg unserer Orte. Hier liegt inmitten von Fichtenwäldem ein Stück unverfälschte erzgebirgische Landschaft. Alte Stollenreste, z.B. von der Charlottenzeche und vom Münzer-Stollen, die Wiesen am Almhof in ihrem ursprünglichen Zustand, seltene Pflanzen wie der Sonnentau, die Türkenbundlilie, Arnika und wilde Orchideen lassen das Herz des botanisch interessierten Wanderers höher schlagen.

Ortschronik

von Siegfried Hübschmann

Die Einwohner von Raschau können auf eine über 800 Jahre zurückgehende bewegte Geschichte zurückblicken, bestimmt von Freud und Leid, von Fortschritt und Rückschlägen.

Im Zuge der Ostbesiedlung hatte der Reichsministeriale Henricus de Zedelitz als Lokator (Siedlermeister) im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts 22 Bauernfamilien, wohl mainfränkischen Ursprungs, in den hiesigen Talgrund des Mittweida-Flusses gebracht. Er kam aus seinem Heimatort Zedelitz an der Whyra bei Borna, wo sich schon Jahrzehnte zuvor main-fränkische Bauern angesiedelt hatten. Es waren wohl deren Nachkommen, die nun als Siedler hierher ins Erzgebirge kamen.

Raschau's ältester schriftlicher Nachweis geht auf das Jahr 1240 zurück. Ein Bestätigungsbrief nennt 10 Dörfer, unter ihnen Raschau und Markersbach, die 1240 dem Kloster Grünhain zugeschlagen wurden. Außerdem liegt eine Urkunde vor, in der Raschau, Markersbach und Schwarzbach dem Kloster übergeben wurden. Für diese 3 Dörfer erhielt der letzte Gebieter Albertus de Ortwineßdorf (Ortmannsdorf) 108 Mark. Henricus de Zedelitz, der Raschau an Albertus übertragen hatte, erhielt wohl als Belohnung noch 17 Mark. Der Lokator erhielt wahrscheinlich 2 Hufen Land in der Mitte des Dorfes. Dort wurde auch die Kirche errichtet. Bei der Sanierung derselben fanden die Bauleute 2008 dort Holz von einem Baum, der im Winter 1205/06 gefällt wurde. Demnach bestand seit jener frühen Zeit eine hölzerne Kirche. Auch die erste Mahlmühle (2012 "Süßmühle") entstand damals.

Die nächste Nachricht ist von 1401 überliefert. Der im Herrschaftsbereich des Hartensteiner Grafen Heinrich befindliche Hammer an der Ortsgrenze zum Dorf Mittweida wurde 1401 vom Grünhainer Abt Nikolaus gekauft. Dieses Eisenhammerwerk wurde "Raschauer Hammer" genannt. Die Hammerschmiede "der junge erland" und "Hans Hirße" verrichteten dort die Arbeit. Bis 1475 blieb dieses Werk im Klosterbesitz. Später wurde es als "Pöckelhammer" bekannt. Es gehörte unter Enoch Pöckel (1578 - 1627) zum Dorf Mittweida, gelegen in der Grafschaft Hartenstein. Anfangs des 16. Jahrhundert kam der Eisenbergbau an Emler und Hutstein in Gang. Viele Hammerwerke entstanden im Gebirge, allein auf den Fluren von Mittweida arbeiteten 1559 9 Eisenhämmer. Darunter befand sich auch das 1540 geschaffene Hammerwerk Förstel. Dessen Besitzer Nicol Klinger der Jüngere (1551 - 1610) kaufte 1588 von der Gemeinde Raschau Land. Dort bauten seine Hüttenarbeiter zunächst 12 Häuslein. So war noch vor dem großen Krieg Langenberg entstanden.

Nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 wurde die Verteidigung der Heimat organisiert. Dem Amtmann des Amtes Grünhain, Friedrich Türk, war es mit zu verdanken, dass in der ersten Hälfte des großen Krieges die Gegend von feindlichen Einfällen weitgehend verschont blieb. Er hatte auch in Raschau dafür gesorgt, dass Bergarbeiter und Bauernsöhne für die Verteidigung ausgebildet wurden.

In den deutschen Landen standen sich die Heere der katholischen Liga und der protestantischen Union gegenüber. Und so wurde der 20. August 1632 zu einem der schlimmsten Tage für das Dorf. Der ligistische kaiserliche General Heinrich Holck zog den Grund herauf. Da sich die Raschauer wehrten, wurde das Dorf eingekreist und die schlecht bewaffneten Defensioner überwältigt. Das letzte Gefecht fand am Pöckelhammer statt, der durch die Söldner abgebrannt wurde. Plünderungen, Brandschatzungen, Hunger und große Entbehrungen kennzeichnen die zweite Hälfte des Krieges. Auch der Förstelhammer fand sein Ende. Rudolf von Schmertzing, Herr auf Förstel, wirkte in diesen Jahren als kurfürstlicher Major, Kriegskommissar und Steuereinnehmer im Erzgebirge. Die Einwohner hatten sich schutzsuchend wiederholt in die Wälder begeben. Dazu war noch mehrmals die Pest ausgebrochen, so 1626, 1633 und 1637. Die seit 1617 von den örtlichen Pfarrern geführten Kirchenbücher konnten in den schlimmsten Zeiten des Krieges nicht weitergeführt werden. Die Kriegsschäden wurden erst in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten überwunden. 1661 ist niedergeschrieben: "Hannß Bock suchet sein brodt mit seuerer Arbeit, ist durch den Feind abgebrandt worden" oder "Andreas Ficker ein Alter Mann, Vermag auß Armuth sein gütlein nicht Zu Nutzen, wie daß Hauß einfallen". Und noch 1688 heißt es: "Paulus Bock hat 8 schöffel felt dar Von ist brauchbar 4 schöffel daß übriche liegt wist und ist Wiltschadens und auß Mangel des Tüngens nicht zu Nutzen."

Um 1680 setzte ein neuer Aufschwung im Bergbau ein. Im Raschauer Gemeindewald wurden Erze, darunter auch Silber gefördert. Aus zahlreichen Gruben von Eigenlöhnern wurden schließlich die Fundgruben Catharina (vor 1687). Stamm Asser am Graul (um 1680) und Gottesgeschick (1713), auch Allerheiligen (1682) und Seegen Gottes (1687), beide am Knochen gelegen. In den Gruben arbeiteten nicht nur Bergleute aus Raschau und Langenberg.

Das geistige Leben, die Kultur wurden durch die evangelisch-lutherische Kirche bestimmt. Die Pfarrer und Kirchväter förderten und erzogen den Nachwuchs in christlichem Sinne. Die Allerheiligenkirche wurde 1698 erweitert. Im Schulgebäude wohnte der Lehrer, der unten im Erdgeschoß einen Raum für den Unterricht nutzte. Hauptfach war die Religion. Der 1756 verstorbene Lehrer Christian Friedrich Richter hinterließ seinen Erben nur 2 Bücher, eine Bibel und ein Gesangbuch.

Auf einer Zürner-Zeichnung von 1721 ist das Raschauer Mitteldorf dargestellt. Dort ist auch die bisher bekannte älteste Zeichnung des Ortswappens mit dem springenden Pferd auf flacher Wiese zu sehen. Auf dieser Wiese sollen die Grünhainer Mönche einst ihre Pferde geweidet und Raschau gegründet haben. Doch das ist eine Sage. Raschau existierte schon Jahrzehnte vor der Klostergründung.

Der Arzt Johann Caspar Schlegel (1703 - 1779) wirkte in Raschau ab 1732. Das Dorf hatte 2 Viehtriften. Die Arbeitszeit des Gemeindehirten Christoph Mängel begann 1776 früh um 4 Uhr.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurden im Ort 41 Bauerngüter bewirtschaftet. Weiter gehörten dazu 12 Gärtner (Hausbesitzer mit Grundstück) und 57 Häusler. Noch etliche Jahre nach dem Ende dieses Krieges hatten einige der ca. 1.300 Einwohner Kriegsschulden zu zahlen.

Im Handwerk und Gewerbe arbeiteten seinerzeit Berg-, Huf- auch Waffenschmiede, Schneider, Müller, Bäcker, Fleischer, Schuster, Tischler, Böttger, Schindelmacher, Blecharbeiter, Destillateure und Löffelmacher. Auch das Klöppeln breitete sich aus. So soll die Pfarrerstochter Friederike Peck (1763 - 1786) ihrem Verehrer, dem bekannten Pädagogen Gustav Friedrich Dinter (1760 - 1831) auch das Klöppeln gelehrt haben. 1771 bezahlte man für ein Siebenpfundbrot 7 Groschen. Der Tageslohn eines Arbeiters betrug 4 Groschen. 1771/72 und 1804/05 brachten den Dorfbewohnern schlimme Unwetter, Missernten und Hungersnot.

Der Bergbau im Gemeindewald bei Langenberg erhielt nach dem Siebenjährigen Krieg neuen Auftrieb. Das Gottesgeschicker stattliche Huthaus wurde 1825, die Bergschmiede dazu 1829 errichtet. Doch bald stagnierte die Förderung. Gottesgeschick und Katharina schlossen sich 1843 zur Fundgrube Gottesgeschick Vereinigt Feld zusammen. Und 1867 waren dort nur noch 7 Bergleute beschäftigt. Schon im Oktober 1854 waren 18 Familien ausgewandert.

In Raschau stand um 1850 nur eine einzige Fabrik, die "Gifthütte" am Knochen. Dort waren eine Handvoll Arbeiter beschäftigt. Arbeitslosigkeit und große Not waren eingekehrt. Der Gemeinderat beschloss eine Armenordnung, ein Statut für das Bettelwesen, 2 Betteltage wurden eingeführt und ein Armenhaus wurde in der südlichen Viehzit errichtet.

So war es ein Segen, dass ab 1855 hier die Korkproduktion aufkam. Wilhelm Merkel machte dazu den Anfang. Ab 1863 brachten die Fabrikanten Carl, dann Oskar Lindemann die Korkfabrik zu hoher Blüte. Bei geringem Arbeitslohn blieb die Korkfabrik Merkel stets konkurrenzfähig. Noch 1913 waren hier 350 Arbeiter beschäftigt. Hier liegt auch der Ursprung der hiesigen Arbeiterbewegung.

Damals entstanden zahlreiche neue Unternehmen. So ab 1868 auch die von Emil Freitag gebildete Pappenfabrik. 1912 arbeiteten im Ort schon 20 Fabriken. Unternehmer und Vertreter der SPD arbeiteten mitunter gut zusammen. So entstanden die Baugenossenschaft 1911, die Konsumgenossenschaft, der Schrebergarten. Auch eine Ortswasserleitung wurde gebaut, die Versorgung der Haushalte mit Gas und Strom wurde organisiert. Einige Gaststätten erfreuten die Bevölkerung. War das 1808 errichtete "Bad Raschau" als Kurbad 1863 eingegangen, so entstand dort eine viel genutzte Gaststätte mit Tanzsaal. Nach 1871 kamen weitere Gasthäuser hinzu. Eine besondere Attraktion wurde die 1911 geweihte Georgenburg des Arno Georgi (1884 - 1964).

Langenberg war bis 1924 eigenständige Gemeinde. Hier hatte Dr. Willmar Schwabe (1839 - 1917) im Förstel 1889 ein Genesungsheim eingerichtet. Günstig für alle gesellschaftlichen Bereiche wirkte sich die Bahnverbindung von Schwarzenberg nach Annaberg aus, die 1889 eröffnet worden war. Verdienste um den Ort erwarb sich der Landwirt und Bürgermeister Friedrich Hänel, der das Amt von 1862 - 1892 ausübte. In Raschau wurden nach 1828 über 500 Kinder in 2 Schulen unterrichtet. Beim Knabenlehrer Karl Gottlob Geißler lernten allein in der 3. Klasse 111 Schüler. 1847 wurde eine 3. Schule eröffnet. Nun hatte Raschau eine Elementar-, eine Knaben- und eine Mädchenschule. Die Zentralschule für alle Kinder wurde 1884 eingeweiht. Einen großen Teil des Volksschullehrplans von 1878 nahm der Religionsunterricht ein.

Nach dem Krieg 1870/71 entstanden in Raschau einige Gaststätten. Die Tanzsäle im "Bad", im "Anker", im Langenberger "Förstel" und im "Schweizerhof" von Mittweida wurden ausgiebig genutzt. Dort spielten Raschauer Blaskapellen zum Tanz auf. Die "gruße Rascher Kirmes" und das "Vugelschießen" in Langenberg wurden jedes Jahr gefeiert.

1914 zogen auch viele junge Raschauer in den Krieg. 122 Raschauer und Langenberger sahen die Heimat nicht wieder.

In den Nachkriegsjahren wurden Bürger aus Kreisen der Arbeiterschaft aktiv. Die Arbeiterparteien setzten sich für eine bessere Gesellschaftsordnung ein. Im Gemeinderat wurde in den 20er Jahren die KPD stärkste Fraktion. Rückschläge auf allen Gebieten brachten die Geldentwertung von 1923 und die Weltwirtschaftskrise um 1930. In diesem Jahr musste auch Oskar Lindemann die Korkfabrik veräußern. Unterstützt auch durch das Kapital kamen 1933 die Nationalsozialisten an die Macht. Und wieder mussten ab 1939 junge Soldaten in den nächsten Weltkrieg ziehen, der 55 Millionen Menschen das Leben kostete. Der Ort blieb von Kriegsschäden durch Bomben verschont.

Im Mai 1945 zogen Vertreter der Arbeiterschaft in das Rathaus ein und setzten sich für den Neuanfang aktiv ein. Die Flüchtlinge aus den Ostgebieten mussten versorgt werden, die Betriebe mussten wieder produzieren. Das Wichtigste war wohl die Beschaffung von Nahrungsmitteln in der besatzungslosen Zeit im Mai und Juni 1945. So fuhr wiederholt ein LKW in das von der Roten Armee besetzte Gebiet. Dort wurden Emaillewaren gegen Lebensmittel getauscht. Den Organisatoren ist es zu danken, dass im Ort niemand verhungerte. Bürgermeister Paul Bach oder Adolf Zellweger und andere verdienen hohe Anerkennung. Sie wurden nicht umsonst einst als "Aktivisten der ersten Stunde" verehrt.

Am 26. April 1946 vereinigten sich endlich beide Arbeiterparteien zur SED. 88 % der Raschauer Bevölkerung stimmte am 3. Juni 1946 in einem Volksentscheid zu, dass die Betriebe von Kriegs- und Naziverbrechern volkseigen wurden. Auch die evangelische Kirche hatte dazu ihre Zustimmung gegeben. Nach den Gemeindewahlen vom 1. September 1946 verwalteten 16 Abgeordnete die Belange der Gemeinde, davon waren 8 Mitglied der SED, 7 Mitglied der CDUD und ein Parteiloser.

Aus der Zeit bis 1990 sollen hier nur einige materielle Veränderungen angeführt werden, die für die Verbesserung des gesellschaftlichen Lebens der Bevölkerung vorgenommen wurden.

Als 1949 weitere 60.000 Kumpel der Wismut-AG in die Gegend kommen sollten, wurde vorgeschlagen einen Teil der Raschauer Bevölkerung zeitweilig zu evakuieren. Jedoch wurde ein Ausweg gefunden. Ende 1950 begann man mit den Vorarbeiten für den Bau der Bergarbeitersiedlung an der Straße nach Pöhla. Hier entstanden 79 Wohngebäude. Am 7. September 1952 wurde der neue Ortsteil als "Siedlung des Friedens" eingeweiht.

1951 wurden in der Nähe der Sporthalle die "Investhäuser" errichtet (2013 Bergsiedlung). 1954 entstand durch freiwillige Helfer der Fußweg von der Wismut-Siedlung zur Bergstraße.

1953 entstand der erste Kindergarten unterhalb des Rathauses, 1953 auch die Kinderkrippe "Friedrich Fröbel". Die Langenberger weihten ihren Kindergarten am 20. Dezember 1955 ein, der später verbessert wurde. 1968 wurde der Kindergarten "Jenny Marx" bei der ehemaligen Möbelfabrik eröffnet.

Am 2. September 1956 konnten die Langenberger Fußballer ihre Kampfbahn in Betrieb nehmen. 1958 wurde anlässlich des Schul- und Heimatfestes auch die in mehreren Jahren entstandene Rudolf-Harbig-Sportstätte neben der Sporthalle eingeweiht.

1962 wurde die Rinderanlage am Ankerweg im Nationalen Aufbauwerk erstellt. Ab dem gleichen Jahr konnten die Einwohner in der neuen Siedlung des Friedens ein medizinisches Bad nutzen.

1969 wurde das Auszugshaus des Salzfickergutes umgestaltet zum "Haus der Volkskunst". Hier trafen sich oft die Mitglieder des Kulturbundes.

Am Pöckelwald konnte 1966 das Freibad eröffnet werden. Viele Bürger hatten sich am Bau in freiwilligen Einsätzen beteiligt. Die Sporthalle an der Bergstraße wurde durch einen Anbau erweitert, der auch als Gaststätte, Tanzsaal und Versammlungsraum genutzt wurde.

Das Kulturhaus "Glückauf" war 1963 von der Gemeinde übernommen worden. Dort konnte man nicht nur vielerlei Kulturveranstaltungen erleben, auch Vorträge und Ausstellungen fanden statt und auch das Kino wurde gut besucht.

Für die 1912 gebildete evangelisch-methodistische Gemeinde wurde an der Straße zum Bahnhof eine eigene Kirche errichtet. Viele freiwillige Helfer hatten den Bau vollbracht. Zur Weihe 1970 bekam der hiesige verdienstvolle Pfarrer eine staatliche Auszeichnung. Im Ort bestand ein medizinisches Bad und ein Landambulatorium. Durch den Bau des Pumpspeicherwerkes entstand, ausgehend vom Ortseingang zu Grünstädtel, eine moderne Straße, die jetzige B 101. 1969/71 wurde das Rudolf-Harbig-Wohngebiet erstellt. Es besteht aus 8 stattlichen Gebäuden, in denen 336 Familien wohnten. Dort wurde am 26. Oktober 1973 auch die neue moderne Oberschule mit Sporthalle eröffnet. Dafür wurden 4 Millionen Mark ausgegeben.

In Langenberg war die alte Schule geschlossen worden. Ein Dorfhaus für Zusammenkünfte der Bürger wurde dort 1976 eröffnet.

Nach umfassender Umgestaltung der Landwirtschaft wurde in Langenberg am 28. Februar 1977 die Jungrinderanlage für 580 Tiere eingeweiht.

Die Schule in Alt-Raschau erhielt 1983 einen neuen Raum mit Küche für die Schulspeisung. Die Kinder konnten dort für 55 Pfennige ein Mittagessen einnehmen, die Lehrer zahlten 75 Pfennige. Der kleine Saal wurde nicht nur für Schulveranstaltungen genutzt. 1989 wurden an der Schule 335 Schüler von 30 Lehrern unterrichtet.

1984 wurde die Bauernstube, ein Treff auch für Rentner, eröffnet. Später wurde der Kindergarten "Maxie Wander" geweiht. Das "Volkshaus" wurde 1988 für 1,4 Millionen Mark rekonstruiert. Dort wurde auch die Kegelbahn durch die Sportler genutzt.

Im Sommer 1990 wurde das Heimatfest anlässlich der 750. Ersterwähnung von Raschau gefeiert. Vieles über die Zeit der DDR, über Erfolge und nicht so Gelungenes, über die Tätigkeit der Gemeindevertretung, der Parteien und Organisationen, über das gesellschaftliche Leben im Ort, über verdienstvolle Persönlichkeiten wäre noch zu berichten. Doch die Zeiten haben sich geändert!

Im Ort hatten 1989 in 12 volkseigenen Betrieben (mit Werk II und III der Pappen- und Kartonagenwerke) 1292 Werktätige gearbeitet. 1979 lebten in Raschau 6.076 Einwohner, 2010 waren es nur noch 3.772. Am 1. Januar 2008 vereinigten sich Raschau und Markersbach zu einer Gemeinde, in der am 15. Juni 2012 noch 5.418 Bürger lebten.

In Raschau wurde seit 1990 viel Positives sichtbar. Neue helle Fassaden der Wohnhäuser, Modernisierung aller Straßen, Veränderung des Marktplatzes trugen zur Verschönerung des Ortsbildes bei. Rathaus und Schule wurden um- und ausgebaut. Kirche und Pfarrhaus wurden saniert. Das Freibad wurde umgestaltet, die Rudolf-Harbig-Sportstätte ausgebaut. Industriebetriebe entwickelten sich erfolgreich. Der Alterswohnsitz Gut Förstel wurde nicht nur baulich erweitert. Das Albert-Schweitzer-Heim an der Straße nach Pöhla entstand neu. Die Wohnungsgesellschaft Raschau leistet eine sehr gute Arbeit. Neues entstand an der Gewerbestraße. Neue Einkaufszentren lösten den Kleinhandel ab.

Doch auch zahlreiche Rückschläge sind nicht zu übersehen. Fabriken wurden stillgelegt. Die Korkfabrik stand 13 Jahre leer und wurde 2009 abgerissen, auch das Zweigwerk in Langenberg. Das Kulturhaus wurde verkauft. Das Volkshaus ist Ruine. Tanzsäle gibt es nicht mehr. Das Dorfhaus in Langenberg wurde privatisiert. Die Mittelschule in der Siedlung wurde geschlossen. Die älteren Schüler müssen nun auswärts den Unterricht besuchen. Die Bauernstube, einst Treffpunkt der Rentner, gibt es auch nicht mehr. Unverzeihlich ist der Abriss des 1959 unter großer Anteilnahme eingeweihten Denkmals in der Siedlung, das an die Opfer des Faschismus erinnerte. Das ist aber noch nicht alles.